Ursachen, Zahlen und Ausblick für 2026
Der Tourismus in der niederländischen Küstenprovinz Zeeland hat im Jahr 2025 erstmals seit mehreren Jahren einen spürbaren Rückgang verzeichnet. Während die Übernachtungszahlen im gesamten niederländischen Tourismussektor leicht gestiegen sind, entwickelte sich Zeeland gegen den Trend.
Nach Angaben des niederländischen Statistikamtes CBS sank die Zahl der Übernachtungen in Zeeland im Jahr 2025 um rund 5 %. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Übernachtungen in den Niederlanden insgesamt um etwa 2 %. Zeeland verlor damit touristische Marktanteile.
Besonders deutlich war der Rückgang bei den niederländischen Gästen. Laut Analyse des HZ Kenniscentrum Kusttoerisme gingen deren Übernachtungen in Zeeland um etwa 6 % zurück. Auch die Zahl der internationalen Gäste nahm leicht ab.
Der Rückgang traf die einzelnen Unterkunftsarten unterschiedlich stark. Am stärksten betroffen waren Ferienhäuser und Chalets, wo die Übernachtungen um etwa 12 % zurückgingen. Hotels blieben weitgehend stabil, während sich Campingplätze mit einem Plus von rund 7 % positiv entwickelten.
Ein weiterer Faktor ist laut Tourismusforschern das vergleichsweise hohe Preisniveau. Zeeland gehört seit Jahren zu den teureren Küstenregionen der Niederlande. Wenn Preis, Qualität und Angebot nicht mehr im Gleichgewicht stehen, sinkt die Wettbewerbsfähigkeit einer Destination.
Neben dem Preis spielt auch das touristische Angebot eine wichtige Rolle. Experten sehen ein strukturelles Problem darin, dass Zeeland noch immer stark vom Sommer und gutem Wetter abhängig ist. Im Vergleich zu anderen Küstenregionen gibt es relativ wenige wetterunabhängige Attraktionen oder Aktivitäten außerhalb der Hauptsaison. Dadurch wird Zeeland seltener als Ganzjahresdestination wahrgenommen.
Zusätzlich dürfte auch die allgemeine wirtschaftliche Lage eine Rolle spielen. In vielen Haushalten wird genauer überlegt, wann und wofür Geld für Urlaub ausgegeben wird. Steigende Lebenshaltungskosten, höhere Ausgaben im Alltag und mehr Zurückhaltung beim Konsum führen dazu, dass Reisen bewusster geplant werden.
Gerade bei Regionen wie Zeeland kann das bedeuten, dass Gäste eher die klassische Hauptsaison bevorzugen, wenn Wetter und Urlaubsgefühl als verlässlicher eingeschätzt werden. Aufenthalte im Vor- und Nachsaison-Bereich werden dagegen eher verschoben oder ganz gestrichen, wenn der Mehrwert gegenüber dem Wetterrisiko und den Reisekosten als zu gering empfunden wird.
Einordnung: Diese Einschätzung zum veränderten Buchungsverhalten außerhalb der Hauptsaison ist eine redaktionelle Beobachtung und keine offizielle statistische Einzelkennzahl aus den genannten Quellen. Sie ergänzt die verfügbaren Marktdaten um eine praxisnahe Perspektive.
Zeeland profitiert traditionell stark von deutschen Urlaubern, die weiterhin eine der wichtigsten Besuchergruppen darstellen. Gleichzeitig führt diese starke Abhängigkeit auch zu Risiken. Wenn deutsche Schulferien ungünstig fallen oder wirtschaftliche Faktoren die Reisebereitschaft beeinflussen, entstehen schneller Nachfrageschwankungen und schwächere Buchungszeiträume.
Tourismusforscher empfehlen daher, künftig stärker auch andere Zielgruppen anzusprechen, etwa Senioren, Naturtouristen oder Radurlauber sowie Gäste aus weiteren europäischen Ländern.
Für die touristische Entwicklung könnte zudem eine steuerliche Änderung relevant werden. Seit 1. Januar 2026 gilt in den Niederlanden für Übernachtungen der reguläre Mehrwertsteuersatz von 21 %. Diese Erhöhung betrifft Hotels, Ferienparks und andere Unterkunftsformen und kann insbesondere im preisempfindlichen Segment zu höheren Endpreisen führen.
Eine schnelle Erholung ist daher nicht garantiert. Höhere Kosten, eine vorsichtigere Nachfrage und die schwächere Wahrnehmung Zeelands als Ganzjahresziel könnten den Markt auch 2026 weiter unter Druck setzen.
Der Rückgang des Tourismus in Zeeland im Jahr 2025 ist kein Zufall, sondern das Ergebnis mehrerer Faktoren: rückläufige Nachfrage aus dem Inland, ein hohes Preisniveau, Schwächen außerhalb der Hauptsaison und ein verändertes Buchungsverhalten der Gäste. Dazu kommt ab 2026 zusätzlicher Kostendruck durch die höhere Mehrwertsteuer auf Übernachtungen.
Hinweis: Die genannten Werte beruhen auf veröffentlichten bzw. vorläufigen Daten des niederländischen Statistikamtes CBS sowie auf Auswertungen des HZ Kenniscentrum Kusttoerisme. Trotz sorgfältiger Recherche kann keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder die zukünftige Entwicklung des Tourismusmarktes übernommen werden. Die Einschätzung für 2026 stellt eine redaktionelle Bewertung auf Basis der derzeit verfügbaren Informationen dar und ist keine verbindliche Prognose. Einzelne qualitative Hinweise im Text, insbesondere zum veränderten Reiseverhalten in der Vor- und Nachsaison, beruhen ergänzend auf Beobachtungen aus der Praxis und nicht auf einer eigenständigen offiziellen Statistik.
Centraal Bureau voor de Statistiek (CBS)
https://www.cbs.nl/nl-nl/cijfers/detail/82059NED
HZ Kenniscentrum Kusttoerisme
https://kenniscentrumtoerisme.nl/wiki/index.php/Event_00023
Belastingdienst Nederland – Mehrwertsteuer auf Logies
https://www.belastingdienst.nl
Redaktionelle Einordnung / Praxiserfahrung
Eigene Beobachtungen zum Buchungsverhalten außerhalb der Hauptsaison