KI & Immobilienfragen: Was man anvertrauen kann – und was besser nicht
Künstliche Intelligenz kann Immobiliennutzern, Erstkäufern, Eigennutzern und Kapitalanlegern
einen großen Mehrwert beim Verständnis von Immobilienfinanzierungen bieten.
Auf Basis der richtigen Fragestellungen erklärt sie komplexe Zusammenhänge
verständlich – etwa, wie Zinssätze zustande kommen, welche Bedeutung Zinsbindung,
Tilgungssatz und Effektivzins haben und wie sich bereits kleine Zinsänderungen
langfristig auf die monatliche Kreditrate auswirken.
Darüber hinaus kann KI auf typische Risiken hinweisen: zum Beispiel auf zu knapp
kalkulierte Budgets bei Erstkäufern, hohe Beleihungsausläufe bei Eigennutzern
oder zu kurze Zinsbindungen bei Kapitalanlegern. So hilft sie dabei,
häufige und teure Fehler frühzeitig zu vermeiden.
Aber: Sobald persönliche oder finanzielle Daten in allgemeine KI-Dienste
eingegeben werden, geben Nutzer einen Teil der Kontrolle über diese sensiblen Informationen ab.
Häufig ist nicht vollständig transparent, auf welchen Servern die Daten verarbeitet
oder gespeichert werden, welche Log-Dateien im Hintergrund entstehen und wer technisch
Zugriff darauf haben könnte – oder wofür diese Daten letztlich verwendet werden.
Sensible Finanzdaten sollten daher ausschließlich in klar geregelten,
datenschutzkonformen Umgebungen verarbeitet werden, um zu vermeiden,
dass sie unbedacht auf Servern landen, die außerhalb der eigenen Kontrolle liegen.
Anhand einer beispielhaften Immobilienfinanzierung haben wir die damit verbundenen
Risiken konkret zusammengestellt.
Detaillierte Leitlinien für Hauskauf & Anschlussfinanzierung
1. Personen- & Haushaltsdaten
❌ NO-GO
- Namen, konkrete Adressen, Kontaktdaten
- exakte Geburtsdaten, Arbeitgeber in Kombination mit Einkommen
✅ GO
- „Haushalt“, „Person A“
- Altersangaben grob („Anfang 40“)
2. Finanzielle Eckdaten
❌ NO-GO
- Lohnabrechnungen, Steuerbescheide
- Kontoauszüge, SCHUFA-Daten
✅ GO
- Haushaltsnetto als Spanne (z. B. 4.000–4.500 €)
- Eigenkapital grob gerundet (z. B. „mittlerer fünfstelliger Bereich“)
3. Immobilie: Typ statt Identität
❌ NO-GO
- konkrete Adresse, Flurstück, reales Exposé
- Grundbuch- oder Notarunterlagen
✅ GO
- Objektart (z. B. EFH, ETW), Baujahr grob
- Region abstrakt (z. B. Ballungsraum, ländliche Region)
4. Finanzierung richtig abfragen
❌ NO-GO
- „Ist dieses konkrete Angebot gut?“
- „Welche Bank soll ich nehmen?“
✅ GO
- Vor- und Nachteile verschiedener Zinsbindungen
- Wirkung von Tilgung und Sondertilgungen
5. Anschlussfinanzierung
❌ NO-GO
- bestehende Verträge als PDF hochladen
- exakte Bank- oder Vertragsnummern nennen
✅ GO
- Prolongation vs. Umschuldung grundsätzlich klären
- Restschuld-Szenarien allgemein durchspielen
6. Verträge & Klauseln
❌ NO-GO
- unterschriebene Verträge vollständig hochladen
- komplette Darlehensbedingungen mit allen Daten
✅ GO
- einzelne Klauseln anonym (ohne Namen, Beträge, Adressen) zitieren
- Fragen zu typischen Klausel-Risiken stellen
7. Nebenkosten & Steuern
❌ NO-GO
- individuelle Steuerbescheide
- konkrete Förderanträge mit persönlichen Daten
✅ GO
- Systematik der Kaufnebenkosten
- allgemeine Funktionsweise von Förderprogrammen
8. Datenkombinationen
Riskant wird es durch die Kombination einzelner Angaben, z. B.:
Ort + Kaufpreis + Einkommen
Je mehr Puzzleteile zusammenkommen, desto stärker sollten Sie abstrahieren.
9. Zeitbezug & Marktphase
❌ NO-GO
- Zinsangaben ohne Jahr oder Zeitraum
- Vergleich von Angeboten aus völlig unterschiedlichen Zinsphasen
✅ GO
- Zinsen immer mit Jahr und grober Marktphase (z. B. „Niedrigzinsphase 2015–2021“)
- Szenarien statt einzelner Punktwerte darstellen
10. Risiko & Stress-Szenarien
❌ NO-GO
- nur die Wunschrate ohne Puffer berücksichtigen
- kein Blick auf Zinsanstieg oder Einkommensänderungen
✅ GO
- Stress-Test mit höherem Zins (z. B. +2 Prozentpunkte)
- feste Sicherheitsmarge im Haushaltsbudget einplanen
11. Nominal vs. real (Kaufkraft)
❌ NO-GO
- Raten und Einkommen ohne Inflationsannahme darstellen
- automatisch steigende Gehälter als gesetzt annehmen
✅ GO
- klar kennzeichnen, ob Werte nominal oder inflationsbereinigt sind
- konservative Annahmen zur Einkommensentwicklung wählen
12. Psychologische Interpretation von Charts
Diagramme wirken oft objektiv, werden aber emotional gelesen.
Nutzen Sie Charts als Orientierung, nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage:
– Bandbreiten und Szenarien sind realistischer als exakte Punktwerte.
– Die persönliche Lebenssituation ist wichtiger als das „perfekte“ Modell.
– Vergleiche mit Nachbarn oder Bekannten sind selten sachlich sinnvoll.
Hinweis zur Interpretation von Diagrammen:
Die dargestellten Diagramme und Berechnungen zeigen modellhafte Szenarien. Sie ersetzen keine individuelle Beratung
und basieren auf abstrahierten Annahmen zu Zinsen, Einkommen und Marktphase. Treffen Sie Entscheidungen immer auf
Basis Ihrer persönlichen Situation und ggf. mit professioneller Beratung.
Top 10 – Kurzfassung
- 1. Keine Namen oder Adressen eingeben.
- 2. Finanzdaten nur grob runden.
- 3. Objekttyp beschreiben, nicht identifizieren.
- 4. Zinslogik erklären lassen statt Angebotscheck.
- 5. Anschlussfinanzierung als Szenario denken.
- 6. Keine PDFs oder unterschriebenen Dokumente hochladen.
- 7. Förderungen & Steuern nur allgemein abfragen.
- 8. Daten-Mix (Ort + Preis + Einkommen) bewusst reduzieren.
- 9. KI als Coach zur Vorbereitung nutzen, nicht als Entscheider.
- 10. Postkarten-Test: Alles, was Sie nicht auf eine Postkarte schreiben würden, gehört nicht 1:1 in die KI.
Disclaimer: Diese Hinweise ersetzen keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Konkrete Entscheidungen
sollten Sie immer mit Fachleuten (Bank, Steuerberatung, Rechtsberatung) abstimmen.